4. Kirche und Schule / Am Kirchberg

zusätzliche Informationen zu Tafel 4:

Kuen oder nicht Kuen…


das ist hier die Frage. Bei Shakespeare darf man sich bedienen, wenn es um die wirklich wichtigen Fragen geht, immerhin wird in unserem Landkreis dieses Jahr das 300-jährige Jubiläum des bedeutenden Barockmalers  Franz Martin Kuen gefeiert.

Ein umfangreiche Ausstellung in Roggenburg widmet sich seinem Werk und viele Veranstaltungen rücken den Künstler wieder ins Bewußtsein. 

Dass Franz Martin Kuen nicht unbedeutend war, wußte man schon in den Sechzigern, als unsere Bellenberger Chronik erschien. Darin wird gemutmaßt, in der alten Kirche zu Bellenberg wären ebenfalls zwei Werke von Franz Martin Kuen zu finden. Es handelt sich um die jeweils oberen Bilder der beiden Seitenaltäre. So heißt es: „In die Auszüge der beiden Nebenaltäre aber sind Gemälde eingefügt, die mit den übrigen Gemälden in der Bellenberger Kirche im Stil nichts gemein haben. Sie zeigen (nördlich) den heiligen Stanislaus Kostka mit dem Jesuskind, südlich den heiligen Aloisius, beide besondere Heilige der Jugend. Diese Bilder eines bisher unbekannten Malers dürfen wegen ihrer Darstellungsweise und ihrer Farbabstufung dem Maler Franz Martin Kuen in Weißenhorn (1719-1771) zugeschrieben werden.“

Ein kue(h)ner Verdacht! Nur, was ist dran?

Ein Besuch der Ausstellung in Roggenburg hinterläßt erst einmal ein langes Bellenberger Gesicht. Die dortige Karte, auf der alle Wirkungsstätten des Malers in unserer Gegend verzeichnet sind, spart Bellenberg aus. Also doch nicht?

Beginnen wir nun unsere Zeitreise in die 1760er Jahre. Zugegeben, eine sehr vage Zeiteinstellung. Wann genau die Altäre gekauft wurden ist leider nicht überliefert, geschweige denn, wer sie gestaltet hat.

Interessant ist, dass genau in dieser Dekade, der Großteil Bellenbergs gleich zweimal den Besitzer wechselte: Von Niederstotzingen wurde das Dorf an das Kloster Roggenburg verkauft und drei Jahre später wiederum an den Grafen von Rechberg.  

Welcher dieser drei Herrschaften ist ein Erwerb der drei Altäre zuzutrauen? Wohl eher nicht den ersteren: Die Erben des Generals vom Stain zu Niederstotzingen verkauften Bellenberg nach 13 Herrschaftsjahren 1761 sogar mit 4.000 Gulden Verlust im Vergleich zum Einkaufspreis. Neue Altäre hätten den Wert wohl eher gesteigert. Der Abt von Roggenburg, Georg Lienhardt, witterte ein Spekulationsobjekt und lieh sich eigens 29.500 Gulden, um die Kaufsumme von 34.000 Gulden aufzubringen. In den drei Jahren unter Roggenburgischer Hoheit schaffte es Bellenberg allerdings nicht, seinen Marktwert zu verbessern und so verkaufte der in Geldnot geratene Abt im Jahre 1764 das Dorf wieder für die Einkaufssumme. Während dieser Amtszeit wäre aber immerhin eine Verbindung zum Abt, einem wichtigen Auftraggeber Kuens gegeben. Aber vielleicht stammen die drei Altäre auch aus der nun folgenden „Franz-Xaver-Epoche“. Diese freie Benennung resultiert aus dem Vornamen des neuen Herren, dem Grafen Franz Xaver Leo von Rechberg, der für seinen illegitimen Sohn Franz Xaver eine kleine Herrschaft suchte. Vielleicht hat der damalige Pfarrer Franz Xaver Agricola die Altäre ja jetzt in Auftrag gegeben. Auf dem linken Seitenaltar, unter dem vermeintlichen Kuen-Bild, befindet sich übrigens der heilige Franz Xaver… 

Kommen wir zu unserer einleitenden Frage zurück, gehören wir jetzt zur Kuen-Familie, oder nicht?

Glücklicherweise stattete Dr. Matthias Kunze, Museumsleiter des Weißenhorner Museums und Kuen-Experte, der Bellenberger Kirche einen Besuch ab, um das zu überprüfen. Hilfsbereit und natürlich gespannt, ob bei uns vielleicht doch ein „übersehener“ Kuen existiert, inspizierte er die beiden Bilder soweit es die Umstände erlauben.

Beide Werke befinden sich im obersten Altarbereich in ca. 3 Meter Höhe und ermöglichen leider nur eine Betrachtung aus der Froschperspektive. Nach eingängiger Untersuchung kam Dr. Kunze zu einem Ergebnis. Dabei half ihm der Vergleich mit einem sehr ähnlichen Gemälde des heiligen Aloisius aus Roggenburg, welches eindeutig von Franz Martin Kuen stammt.

Allgemein, erklärt er, sind solche Heiligendarstellungen Standardgeschichten, welche sich in unserer Gegend vielfach tummeln. Man muss  also kein überaus begabter Maler gewesen sein, denn Bildgestaltung, Handhaltung und Gesichtszüge sind auf diesen Bildern meist identisch. Bei unserem Aloisius fällt eine harte Konturierung des Haaransatzes und der Nase auf. Zu hart, meint der Kuen-Kenner. Ein hartes Urteil, im doppelten Sinn. Der berühmte Barockmaler führte seine Bilder zudem weicher, wärmer, aufgehellter und pastoser aus. 


In Bellenberg, so schön es gewesen wäre, ist ein Wirken Kuens demnach leider nicht nachweisbar.


In Anbetracht der großen Ähnlichkeit der beiden Aloisius-Bilder vermutet Kunze jedoch, dass das Bellenberger Bild als Kopie des Roggenburger Kuen-Gemäldes angefertigt wurde. Dafür spricht auch, dass Bellenberg 1761 von Kloster Roggenburg erworben wurde. Gut vorstellbar, dass der regierende Abt Lienhardt damit der neu erworbenen Kirche einen Roggenburgi’sches Gepräge verleihen wollte. Als Künstler käme dann ein Mitglied aus Kuens Werkstatt in Frage, vielleicht sein 1751 geborener Sohn Michael Hermann Kuen, der beim Vater gelernt und später bei ihm mitgearbeitet hat.



Es bleibt die Frage: Wer hat die Bilder dann gemalt?

Vielleicht stammen sie ebenfalls aus der Werkstatt des Kuen-Schülers Stefan Haberes, dem die übrigen Bilder der Altäre zugeschrieben werden? Immerhin hat dort ja ein Kuen-Schüler seine Handschrift hinterlassen – wenn auch dieser leider nicht an den Meister herankommt. Dr. Kunze erwähnt, dass das Gesamtwerk von Haberes noch nicht erforscht wurde. 

Aber unsere beiden speziellen Altarbilder könnten durchaus aus einer anderen Werkstatt stammen.


Schön wäre es, wenn man eine solche Zeitreise tatsächlich begehen könnte. Wir wären dann bei der feierlichen Aufstellung der Altäre zugegen und hätten die Bellenberger Kommentare aufgeschnappt. Vielleicht in dieser Art:

„Naja, ganz nett, aber eben kein Kuen...“ oder „Es muss doch nicht immer Kuen sein!“ oder „Uns gefällts, das muss reichen!“ 

Aber dass Zeitgeist und -geschmack sich ändern, zeigt das drastisch formulierte Gesuch des Bellenberger Pfarrers Lochbihler beim königlich bayrischen Landgericht in Illertissen im Jahr 1851: „die drei ekelhaften Altäre anschaulich herzustellen“. 

Es war sogar laut der königlichen Bauinspektion in Dillingen die Rede davon, neue Altäre anzuschaffen und die alten zu entsorgen, dies wäre jedenfalls billiger gekommen. Sie wurden letztlich aber doch belassen, neu gefasst und die Bilder blieben. 

Der heilige Stanislaus Kostka

Der heilige Aloisius

Der heilige Aloisius in Roggenburg

Lehrer in Bellenberg


„Der erste mit näheren Daten fassbare Lehrer zu Bellenberg ist Franz Fügel, auch Figel geschrieben. Am 16.11.1730 heiratete der ehrsame und gelehrte Junggeselle Franz Figel, Organist und Schulmeister aus Laupheim, die ehrsame und tugendhafte Maria Weikmann aus Bellenberg.“ heißt es in den Kirchenbüchern.

Doch besagt ein früherer Eintrag von 1709, dass bereits in diesem Jahr in Bellenberg Unterricht gehalten wurde. Dort ist zu lesen, dass der Witwer Joseph Hertner, Bäcker und Branntweinbrenner nach dem Tode seiner Frau Ursula ausdrücklich verpflichtet wurde, die Kinder (auch Stiefkinder) „in seiner Versorgung zu erhalten und zur Kirchen und Schuelen anzuhalten“ …

Ein Verzeichnis von 1735 zeigt, dass die Bauern ihre Kinder oft gar nicht, teils nur selten in die Sommerschule und im Winterquartal in die Schule schickten. Manche ließen nur ein Kind etwas lernen, die Hirtenkinder kamen überhaupt nicht in die Schule.


1741 kam Johannes Pulver als Schulmeister nach Bellenberg. Er war nebenbei auch Bader und ist wohl identisch mit dem am 4.9.1697 zu Bellenberg geborenen Johannes, Sohn des Christophorus Pulferer, der ebenfalls Bader von Beruf war.

„Von 1771 bis 1826 war Johannes Klotz, gelegentlich auch Gloz geschrieben, Schulmeister in Bellenberg. Er versah, weil das Einkommen als Schulmeister und Mesner nicht reichte, neben einer kleinen Landwirtschaft auch das Amt eines herrschaftlichen Jägers und Holzwarts und später das eines Zollers (Zöllner)“.
Aus der Zeit des Schulmeisters Johannes Klotz ist aus dem Jahr 1810/11 ein „Etat der Volksschule zu Bellenberg“ erhalten, in dem es heißt: „Das Dorf hat im ganzen 20 männliche und 22 weibliche schulpflichtige Kinder, wo ein einziger Lehrer zureicht. Dieser braucht zum dürftigen Unterhalt wenigstens 200 fl. Hierzu tragen schon von lang dazu verwendete Äcker, Wiesen, Kraut- und Erdäpfelteile 49 fl 30 kr, das ordentliche Schulgeld auf Familienumlagen 48 fl, neuere dazu getheilte Gemeindsgründe 35 fl 40 kr, Gehaltszulagen als Meßner 58 fl 33 kr …“  … insgesamt waren das am Ende 191 Gulden 43 Kreuzer.
Später wird in dem Bericht der Vorschlag gemacht: „Da der hiesige Lehrer schon ein hohes Alter hat und über 40 Jahre seinen Dienst fleißig und eifrig besorgte, so wäre zu wünschen, daß man ihm, da man sein Einkommen nicht auf 300 fl bringen kann, wie es durchaus seyn sollte, ein paar Klafter Holz aus den Kgl. Waldungen gnädigst beylegen möchte, wie es doch alle anderen Kgl. Bayer. Schullehrer haben.“

Nach einer kurzen Übergangszeit des Verwesers Komprecht übernahm 1827 Georg Finkenzeller die Leitung der Schule.
„Damals hatte Bellenberg 45 Werktagsschüler und 36 Feiertagsschüler. In die Werktagsschule gingen nach dem Lehrplan von 1806 die Kinder vom 6. bis zum 12. Lebensjahr, von den Feiertagsschülern hatten die Knaben vormittags, die Mädchen nachmittags nach dem Gottesdienst ihren Unterricht und zwar vom 12. bis zum 18. Lebensjahr.“


Ab 1844 werden neben Lehrer Finkenzeller „Adstanten“ genannt, die beim Unterrichten aushalfen. 

Nachdem 1855 Georg Finkenzeller im Schulstadel tödlich verunglückte, folgte ihm Max Joseph Kögl als Lehrer von Bellenberg. Unter ihm wurde der Neubau des Schulhauses Hs.Nr. 71 durchgeführt. 

„1860 wurde Carl Feierlein  … als Lehrer zu Bellenberg eingeführt. Zu seiner Zeit wurde die Industrieschule (Handarbeitsunterricht), Zeichenunterricht usw. eingeführt. Das Musikleben Bellenbergs wird unter seiner Leitung als glanzvoll bezeichnet.“

In den weiteren Jahren folgten die Schulmeister Albert Steiner (ab 1865), Paul Mayrock (ab 1870), Karl Anton Schuster (1877 – 1879), Franz Xaver Lochbrunner (ab 1879), Kaspar Schneider (ab 1890) und Karl Grathwohl (ab 1894). Bei den letztgenannten drei Schulleitern waren die Gattinnen jeweils als Handarbeitslehrerinnen an der Schule tätig. 


In folgender Übersicht sind die weiteren Schulleiter/innen bis 2020 aufgeführt:
1898 – 1909  Emil Walther
1909 – 1927 August Hofmiller
1927 – 1935 Bernhard Kaiser, im 2.Weltkrieg vermisst
1936 – 1945 Markus Singer
1947 – 1952 Heinrich Weinkopf
1952 – 1961 Rudolf Zimmermann
1961 - 1979 Johann Kloß
1979 – 1990 Ludwig Danninger
1990 – 2005 Wolfgang Hackl
2005 – 2009 Christine Zimmerhackl (Auflösung der Teilhauptschule)
2009 – Irene Schmid


Quelle:  Zitate aus Bellenberg.Beiträge zur Geschichte des Ortes Verlag Anton H. Konrad Neu-Ulm, 1963 


Gehalt der Lehrer
Die festen Gehaltsbezüge der deutschen Schulmeister zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren etwa 20 Gulden jährlich (entsprach vor dem Dreißigjährigen Krieg etwa 400 DM).
Dazu kamen noch „ein Klafter Holz, ein halbes Teil Korn und das anfallende Schulgeld, von jedem Kind 1 Gulden jährlich (20 DM). Das Schulgeld brachten entweder die Eltern in die Schule oder schickten es durch ihre Kinder dem Lehrer in wöchentlichen, monatlichen oder vierteljährlichen Beträgen: Schulgeldtage waren dann zu Michaeli (29.9.), Luzei (13.12.), Reminiscere (der 2.Fastenzeitsonntag) und Pfingsten.
Noch zu Anfang des 18.Jahrhunderts war das Schulgeld die Hauptgrundlage der unzureichenden Lehrerbesoldung. 

Eine grundlegende Änderung bezüglich des Schulgeldes trat Ende 1802 ein, als durch eine kurfürstliche „Allerhöchste Verordnung“ für ganz Bayern der Schulbesuchszwang und damit die Schulpflicht eingeführt wurde. Alle „schulfähigen und nun nach pflichtmäßigem Ermessen den Inspectoren und Pfarrern unterworfenen Kinder“ hatten fortan „vom sechsten bis ins vollstreckte zwölfte Jahr ihres Alters“ die Werktagsschule zu besuchen. Diese dauerte das ganze Jahr hindurch „von Mitte des Julius bis 8.September als der gewöhnlichen Erndtezeit ausgenommen“. … 

Mit dem Schuljahr 1856/57 wurde die Werktagsschulpflicht auf das vollendete 13. Lebensjahr ausgedehnt, die Sonntagsschulpflicht aber um 2 Jahre gekürzt. Sie hörte nunmehr mit dem vollendeten 16. Lebensjahr auf.
Eine Ministerialentscheidung vom 26.Februar 1857 bestimmte, dass das Schulgeld von einer Lokalschulkasse „vereinnahmt“ wurde und dem Lehrer „ein für alle Mal ein festgestelltes Fixum“ vierteljährlich zu zahlen sei.

Quelle: „Schwäbische Blätter“ zur Volksbildung und Heimatpflege, Heft 1, 7. Jahrg. 1956 Aufsatz „Zur Geschichte des Schulgeldes in Schwaben“ Verf. Schulrat a.D. Ferdinand Hörner, Augsburg


„Beschreibung des alten Schulhauses aus dem Jahr 1833 (Hs.Nr.71)  
Das an die Wohnung des Lehrers angebaute Schulzimmer war 7 1/2 Schuh hoch (ca. 2,5m), 21 Schuh lang (ca. 7m) und 18 Schuh breit. Das Wohnzimmer des Lehrers und das Schulzimmer wurden mit einem Ofen geheizt. Es ist geräumig und trocken und für eine Anzahl von etlich 40 Schülern groß genug, wird stets reinlich gehalten und ist mit fünf Fenstern versehen, auch sehr hell.“

 

Quelle: Bellenberg - Beiträge zur Geschichte des Ortes,  Verlag Anton H. Konrad Neu-Ulm, 1963


Beschreibung des Schulhauses aus dem Jahr 1954 an der Schulstraße

„Im Schulsaal 1 befindet sich die 1.Klasse (1.und 2.Jahrgang) im Saal 2 die 2.Klasse (3.und 4.Jg). Der Schulsaal 3 wurde bis auf weiteres als Turnraum benutzt. Im 1.Stock dient der Saal 4 als Film- und Musikraum, im Saal 5 ist die 3.Klasse (5. und 6.Jg.) und im Saal 6 die 4.Klasse (7. und 8.Jg).“


Quelle: aus  der Schulchronik von 1954 (handschriftlich von Hauptlehrer Zimmermann verfasst), Archiv Lindenschule

Tafel 4:

Kirche und Schule